Stücklisten (Baugruppen)

Stücklisten, auch Baugruppe oder Komponentenartikel genannt, sind Artikel die aus mindestens einem anderen Artikel oder einer Komponente bestehen. Mit Stücklisten lassen sich Verpackungseinheiten , Sets, Umschlüsselungen und Fertigungsartikel abbilden. Wird eine Stückliste verkauft werden die Einzelteile abgebucht. Stücklisten lassen sich aber auch als Artikel mit eigenem Lagerbestand verwalten, die über Werksaufträge / Fertigungsaufträge hergestellt werden können.

Anwendungsgebiete

Für Stücklisten gibt es viele Anwendungsgebiete, die hier anhand einiger Beispiele gezeigt werden.

Stücklisten zur Fertigung

Mit Stücklisten können Sie neue Produkte fertigen, veredeln oder komplettieren. In unserem Beispiel besteht die Stückliste Fahrrad aus 1x Rahmen, 2x Laufrädern und 1x Schaltgruppe. Werden zwei Fahrräder verkauft werden 2x Rahmen, 4x Laufräder und 2x Schaltgruppen aus dem Lagerbestand abgebucht. Der virtuelle Lagerbestand des Fahrrads errechnet sich aus den Beständen der Komponenten.

Stücklisten können auch unbegrenzte Artikel wie z.B. Arbeitslohn oder Tätigkeiten enthalten.

Wenn eine Stückliste in einer anderen Stückliste enthalten ist, werden die Einzelteile der Unterbaugruppe nicht aufgelöst.

Stücklisten im Werksauftrag

Da Stücklisten eigentlich mit dem Lagerbestand der Komponenten arbeiten, werden die Bestände erst im Verkaufsfall abgebucht. Möchten Sie aber Stücklisten schon vor Verkauf oder in größeren Mengen herstellen, benötigt die Stückliste einen eigenen Lagerbestand. Diese Stücklisten können mit einem Werksauftrag gefertigt und anschließend dem Lager zugebucht werden. Wird die Stückliste nun verkauft werden nun nicht mehr die Einzelteile abgebucht, da dies bereits bei der Herstellung geschehen ist. Hilfe: Werksauftrag

Just-in-Time Stückliste (Handelsstückliste)

Eine Just-in-Time Stückliste (JIT-Stückliste) ist eine Stückliste, deren Komponenten nicht dauerhaft als fertiges Produkt auf Lager gehalten, sondern erst unmittelbar vor der Auslieferung oder Produktion zusammengestellt werden.

Typische Merkmale einer Just-in-Time Stückliste sind:

  • Keine Lagerhaltung des Endprodukts - Es werden nur die Einzelteile bevorratet.
  • Montage erst bei Bedarf - Das Produkt wird erst nach Auftragseingang oder kurz vor der Lieferung zusammengesetzt.
  • Aktuelle Stückliste - Änderungen an Komponenten oder Varianten können bis kurz vor der Fertigung berücksichtigt werden.
  • Geringere Lagerkosten - Da keine fertigen Produkte gelagert werden müssen, sinken Kapitalbindung und Lagerfläche.

Ein PC-Händler verkauft beispielsweise individuell konfigurierte Computer. Die Stückliste enthält unter anderem:

  • Mainboard
  • Prozessor
  • Arbeitsspeicher
  • SSD
  • Netzteil
  • Gehäuse
Diese Komponenten liegen einzeln im Lager. Erst wenn ein Kunde bestellt, wird anhand der Just-in-Time Stückliste genau dieser PC montiert und ausgeliefert.

Vorteile:

  • Geringere Lagerkosten
  • Hohe Variantenvielfalt
  • Einfache Aktualisierung einzelner Komponenten
  • Geringere Kapitalbindung

Nachteile:

  • Alle Komponenten müssen rechtzeitig verfügbar sein.
  • Lieferverzögerungen eines Bauteils verzögern die gesamte Fertigung.
  • Höherer Planungs- und Koordinationsaufwand.

Stücklisten als Verpackungseinheit

Stücklisten können auch verwendet werden, um Verpackungseinheiten abzubilden. Dazu erstellen Sie Stücklisten die auf einen gemeinsamen Rohstoff zugreifen. Der Rohstoff dient als Basis für den Lagerbestand. Wird eine Stückliste verkauft, wird der Bestand des Rohstoffs abgebucht. Verkaufen Sie z.B. Gartenschläuche als Meterware und vorkonfektioniert in Rollen erstellen Sie folgende Stücklisten:

  • Rolle 20m (Stückliste bestehend aus 20m Schlauch)
  • Rolle 50m (Stückliste bestehend aus 50m Schlauch)
Damit wird stets der Lagerbestand des Schlauchs abgebucht, auch wenn Sie eine Rolle verkaufen. Diese Methode eignet sich auch gut für Schüttgüter, Flüssigkeiten und Rohstoffe aller Art.

Stücklisten als Set

Stücklisten eignen sich klassisch als Sets oder Bundles. Hierbei muss die Baugruppe nicht hergestellt oder gefertigt werden, sondern dient als Angebot mehrerer Artikel auf einmal. Sets können beispielsweise mit einem günstigeren Verkaufspreis als dem der Einzelkomponenten angeboten werden oder erleichtern das Einfügen in einen Auftrag.

Stücklisten zur Umschlüsselung

Wird ein Artikel unter mehreren Artikelnummern angeboten oder durch einen anderen Artikel ersetzt können Sie ebenfalls die Stückliste verwenden. Bestellt ein Kunde einen nicht mehr verfügbaren Artikel unter der alten Artikel-Nr. verwendet die Stückliste intern den neuen Artikel oder Sie können den selben Artikel unter verschiedenen Nummern und Preisen anbieten.

Stückliste anlegen

Legen Sie dazu zunächst die Einzelteile als Artikel an und anschließend einen Artikel für die Baugruppe. Wechseln Sie in den Reiter Stückliste der Baugruppe und klicken Sie auf Bearbeiten.

Stückliste anlegen

Sie können nun die Stückliste konfigurieren, indem Sie Artikel als Komponenten hinzufügen. Über die Tabelle der Komponentenliste können Sie die Felder Pos., Menge und Bemerkung anpassen. Die Menge bestimmt wie oft das Einzelteil in der Baugruppe enthalten ist. In der Spalte Pos. können Sie mit einer Nummerierung die Sortierreihenfolge festlegen.

Komponenten können im Fenster Stückliste konfigurieren auch über Importieren aus einer CSV-Datei eingelesen werden. Für den Import werden die Felder Artikelnummer, Menge, Position und Bemerkung gelesen. Die Artikelnummer ordnet die Komponente dem vorhandenen Artikel zu, die Menge bestimmt den Verbrauch je Stückliste, die Position legt die Sortierung fest und die Bemerkung wird als Hinweis zur Komponente übernommen.

Klicken Sie auf Übernehmen, um die Stückliste zu speichern und schließen Sie das Fenster, um zum Artikel zurückzukehren.

Stückliste konfigurieren

Das genaue CSV-Format kann über Menü > Einstellungen > Importvorlagen festgelegt werden. Wählen Sie dort die Importvorlage Stückliste und ordnen Sie im Reiter Feldzuordnung die Spalten Ihrer Datei den Hyreka-Feldern zu. Für Menge kann ein Standardwert hinterlegt werden, falls die CSV-Datei keine Menge enthält.

Importvorlage Stückliste

Im Artikelfenster wird nach dem Speichern der Haken bei Stückliste gesetzt. Dieser Haken muss aktiviert sein, damit der Artikel als Stückliste behandelt wird. Wenn Sie den Haken entfernen, bleibt die eigentliche Komponentenliste zwar erhalten, die Einzelteile werden jedoch nicht mehr über die Stückliste verarbeitet.

Ist die Option Just-in-Time Stückliste (Handelsstückliste) aktiviert, hat die Stückliste keinen eigenen Lagerbestand. Der verfügbare Bestand wird aus den Beständen der Komponenten ermittelt und beim Verkauf werden die Einzelteile abgebucht. Ist eine Komponente nicht ausreichend verfügbar, kann die Baugruppe nicht vollständig geliefert oder zusammengestellt werden.

Die Voreinstellung für diese Option bei der Artikelanlage können Sie über Menü > Einstellungen > Erweiterte Einstellungen im Reiter Artikel/Lager festlegen. Damit bestimmen Sie, ob neu angelegte Stücklisten standardmäßig als Just-in-Time Stückliste bzw. Handelsstückliste angelegt werden.

Stückliste / Baugruppe

Durch Klick auf die Kopfzeilen kann die Anzeige der Stückliste neu sortiert werden. Mit rechter Maustaste können Sie weitere Optionen einblenden:

  • Stückliste bearbeiten - Öffnet die Komponentenliste zur Bearbeitung.
  • Verkaufspreis berechnen - Berechnet den Verkaufspreis aus den Verkaufspreisen der Komponenten.
  • Einkaufspreis berechnen (1 Ebene) - Ermittelt den Gesamt-EK aus den Einkaufspreisen der direkt enthaltenen Komponenten.
  • Einkaufspreis berechnen (rekursiv) - Ermittelt den Gesamt-EK inklusive enthaltener Unterbaugruppen.
  • Gewicht berechnen - Ermittelt das Gesamtgewicht der Baugruppe aus den Gewichten der Komponenten.
  • Als Beschreibungstext übernehmen - Erzeugt einen Beschreibungstext aus den Bezeichnungen der Komponenten. Tipp: Es wird die Sortierung der Tabelle verwendet.
  • Auf Einkaufsliste setzen - Setzt die Komponenten auf die Einkaufsliste.
  • Exportieren - Exportiert die Stückliste.

Soll eine Stückliste eingelagert oder mit einem Werksauftrag hergestellt werden, muss die Option Just-in-Time Stückliste (Handelsstückliste) deaktiviert sein. Die Baugruppe wird dann als eigener Lagerartikel geführt; die Komponenten werden bereits bei der Fertigung bzw. beim Werksauftrag abgebucht.

Hierarchiestruktur - Stücklisten mit mehreren Ebenen

Wenn eine Stückliste weitere Stücklisten enthält, entsteht eine Hierarchiestruktur über mehrere Ebenen. In Hyreka werden Stücklisten nur bis zur ersten Ebene aufgelöst. Trotzdem ist es möglich komplexe Stücklisten im System abzubilden, indem Unterbaugruppen durch Werksaufträge hergestellt werden.

Um eine Unterbaugruppe (Stückliste 2) in einer übergeordneten Stückliste (Stückliste 1) zu verwenden, muss die Baugruppe zuvor mit einem Werksauftrag hergestellt werden. Durch die Herstellung erhält die Baugruppe (Stückliste 2) einen Lagerbestand und die Einzelteile (Artikel 3 + Artikel 4) werden aus dem Lagerbestand abgebucht.

Erst nachdem Stückliste 2 hergestellt wurde oder über einen ausreichenden Lagerbestand verfügt, kann Stückliste 1 verkauft werden.

Hierarchiestruktur einer komplexen Stückliste

Sie können sich die Struktur einer komplexen Stückliste über den Reiter Struktur anzeigen lassen.

Ansicht Struktur in einer Stückliste

Stückliste bearbeiten

Sie können eine Stückliste nachträglich bearbeiten, indem Sie z.B. Teile hinzufügen, austauschen oder entfernen. Die Nummerierung der Positionen dient der internen Verarbeitung. Durch die Position können Sie eine eigene Reihenfolge festlegen. Einzelteile ohne Nummer lassen sich im Datenblatt ausblenden, so können Sie z.B. zwischen technischer und kaufmännischer Stückliste unterscheiden.

Die Einzelteile oder Eigenschaften einer Stückliste dürfen nur verändert werden, wenn keine Reservierungen oder Bestellungen vorliegen.